Manchmal bin ich eine unachtsame Mutter…ich sage absichtlich nicht „schlecht“, denn das bin ich nicht. Ich weiß, dass ich jeden Tag das beste für meine Kinder gebe und jeden Tag versuche ich es wieder ein bisschen besser zu machen. Nur manchmal hab ich´s nicht so drauf…da bin ich wieder genervt, gestresst, ungerecht, angespannt, unfair….verfalle in Wenn-Dann´s und zwinge meine Kinder zu irgendwas. Bin laut, schimpfe, wüte, tobe. Das ganze Programm eben. Ich bin mir sicher ALLE Eltern kennen diese Programme. Manchmal gelingt es uns ganz gut, die Reißleine zu ziehen bevor es unangenehm wird. Und manchmal eben auch nicht… Übrigens geht es auch anderen Mama´s so. Hannah vom Blog Physik der Beziehungen hat einen sehr unterhaltsamen und ehrlichen Artikel dazu geschrieben…

Ja, ich bin ungerecht. Und ich schimpfe. Auch laut und fies. Mit Schimpfwörtern!

Ich bin manchmal richtig geladen und da passiert es sogar, dass ich sie nicht ‚in ihrer Wut begleite‘, sondern auch austicke und sage, dass es ja auch in einem anderen Ton geht! (… Wer entdeckt hier den Fehler? Hm? 😉 )“ 

Hier findest du den ganzen Artikel 

Für mich war und ist es äußerst hilfreich zu wissen, dass auch andere Eltern die sich mit der Unerzogen-/ Beziehung statt Erziehung-/Bindungsorientierung- Thematik beschäftigen auch nur Menschen sind und eben mal ´n Umweg machen…

Aber jetzt zurück zu mir…meistens gerate ich ja erst  in den Eltern-Anrufbeantworter-Modus (diesen Begriff hab ich mal bei Jesper Juul gelesen und ich verwende ihn gerne. Er drückt genau das aus, was ich mache, wenn ich mich in stressigen Situationen befinde… nämlich ein Kommando nach dem anderen loswerden „Hör auf, Mach doch mal endlich, Kannst du nicht, Hörst du nicht, Wieso tust du immer…“ Meist rede ich mich erst dadurch in Rage. Aus einem kleinem Tropfen wird eine riesige Welle…) Wirklich nervig. Und in erster Linie vor allem für meine Jungs. Ich habe für mich beschlossen, dass ich das nicht will. Ich erinnere mich immer wieder an den Ausspruch „Dein Alltag ist ihre Kindheit“ Und das ist letztendlich meine Motivation manche Worte, Taten, Handlungen zu reflektieren… Denn ihre Kindheit (und der besteht zum größten Teil aus dem Alltag) wird sich einprägen, die guten Sachen genauso wie die weniger schönen.

An dieser Stelle möchte ich dir nun gerne meine Strategien weitergeben, wie ich aus dem Kreislauf der Mecker- und Schimpftiraden herausgekommen bin und herauskomme. Vielleicht kannst du das ein oder andere für dich umsetzen – und wenn nicht, dann ist es auch gut. Schließlich muss mein Weg nicht dein Weg sein 😉

1. Bewusst werden

Der erste große Schritt war das Bewusst werden. Vorher allerdings war da „nur“ ein schlechtes Gefühl in Situation, wenn ich ins Meckern verfallen bin. Irgendwann habe ich mich gefragt warum ich mich dabei so schlecht fühle, wenn ich mecker oder schimpfe (erst habe ich es in die „es muss eben sein – Schublade“ oder in die „das hat er/sie jetzt davon, wenn er/sie sich so verhält- Schublade“ gesteckt) Durch das Hinterfragen, kam ich auf den Gedanken das es ja vielleicht gar nicht so laufen muss (Surprise,Surprise) und es eventuell auch anders laufen könnte. In vielen Momenten kann ich alleine durch das „Aha, da ist es“ in meinem Kopf, die Kurve nehmen und nochmal tief durchatmen bevor ich was sage. Und wenn es doch passiert? Dann nehme ich auch das bewusst wahr -es kommt wirklich nur noch selten vor, dass ich blöde Sachen sage und mir dessen nicht bewusst bin. Ich kann hinterher ganz klar und deutlich sagen: „War nicht so gut, kannste beim nächsten mal anders machen!“ Bewusst werden –> Fehler erkennen –> Veränderungsmöglichkeiten

2. Mich im Alltag selbst beobachten

Ein, für mich, ganz wichtiger Punkt war das feststellen, wann ich in alte Erziehungsmuster verfalle. Dazu musste ich mich aber erstmal selber im Alltag beobachten.

Nach und nach habe ich festgestellt, dass ein häufiger Verursacher, meine eigenen unerfüllten Bedürfnisse waren

–> Ich war nicht ausgeschlafen nach einer unruhigen Nacht und anstatt mir mein Bedürfnis nach Erholung zu erfüllen, rotierte ich weiter im Alltag. Am nachmittag, oder Abend bekam ich und meine Kinder dann die Quittung: eine genervte, nörgelige Mama – die den Feierabend kaum noch erwarten konnte.

Oder ich ließ mich von äußeren Gegebenheiten beeinflussen

–> Erwartungen von anderen Personen (eigene Eltern, andere Eltern etc.) brachten mich in Stress-Situationen. Ich verlor sozusagen meine Kinder aus den Augen.

Durch das Wahrnehmen und verdeutlichen wann die Beziehung zu mir und zu meinen lieben stabil ist (Grundbedürfnisse & individuelle Bedürfnisse erfüllt), konnte ich irgendwann auch relativ schnell meine „Nervenfresser“ entlarven. Zu wenig Schlaf, zu wenig Zeit für mich, zu wenig Anerkennung oder ähnliches. Allein dieses Wissen hat mir unglaublich geholfen, die Ursachen nicht immer im Außen zu suchen. Sondern nach innen zu schauen und mich um mich zu kümmern, statt jemand anderen in eine gewünschte Richtig zu ziehen…

Wichtig wenn du in die Beobachter-Rolle verfällst: Be-und Verurteile nichts von dem was du gerade tust, sondern nimm es einfach wahr „Aha, jetzt schimpfe ich also gerade“ manchmal hilft alleine schon das um aus der Spirale wieder auszusteigen (auf frischer Tat ertappt sozusagen 😉 ) Es ist natürlich gut, wenn du jeden Tag ein bisschen übst und dich bewusst in die Beobachterrolle versetzt (Achtsamkeitsmeditation)

Sei dir selbst der beste Freund

So wichtig! Geht es mir gut, geht es auch meinen Kindern gut. Es ist so einfach. Aber ja, im Alltag oftmals schwer das umzusetzen. Man gerät doch immer wieder in Situationen, auch wenn man es nicht will, die einen zur Weißglut treiben…

Hier ist eine kleine Übung für dich: Versetze dich mal in eine Situation zurück, in der du genervt und gestresst warst und deine Kinder das abbekommen haben? Wie hast du dich danach gefühlt, wie scharf bist du mit dir ins Gericht gegangen? Falls du dich mit Schuldgefühlen und Vorwürfen beladen hast, versuch mal folgendes: Stell dir vor, dein bester Freund/deine beste Freundin erzählt dir diese Situation – sie ist geknickt und macht sich Vorwürfe, fühlt sich schlecht. Was würdest du machen oder sagen? Wahrscheinlich würdest du ihn oder sie in den Arm nehmen und Trost spenden? Sagen, dass jeder mal Fehler macht und man immer die Chance hat es beim nächsten mal anders zu machen? So oder so ähnlich wahrscheinlich…

Ich frage dich jetzt ganz bewusst: Wann bist du das letzte mal liebevoll und Trost spendend nach einem „Fehler“ mit dir umgegangen?

Wir neigen dazu uns selbst am schlechtesten zu behandeln. Uns die „Schuld“ in die Schuhe zu schieben. Das blöde ist nur, dass wir dann keine Motivation haben etwas zu verändern. Wir verstricken uns in den schlechten Gefühlen und werden beim nächsten mal vermutlich wieder genauso reagieren („Siehs´te, hab ich´s doch gewusst! Genau wie beim letzten mal.“) Wenn ich aber die Möglichkeit wahrnehme, den Fehler erkenne und anerkenne, mich damit bewusst auseinander setze, kann ich beim nächsten mal vielleicht so reagieren wie ich es mir wünsche oder vorstelle. Denn dann habe ich ja schon über eine Handlungsalternativen nachgedacht. Oder habe so gut für mich gesorgt, dass ich erst gar nicht so´n Stresslevel erreiche.

4. Verantwortung übernehmen

Ich übernehme die Verantwortung. Wenn etwas nicht so lief, wie ich es mir eigentlich wünsche, stehe ich dafür gerade. Und ich sage dann: „Es tut mir leid“ Unsere Kinder können keine Verantwortung für die Qualität unserer Beziehung zueinander übernehmen. Wir sind schließlich auch ihre Eltern, damit wir ihnen zeigen wie´s geht. Sie lernen von uns.

Ich glaube es gibt für Kinder nicht schlimmeres, als das Gefühl vermittelt zu bekommen ICH bin schuld das es Mama oder Papa schlecht geht/ das wir gestritten haben/ das wir böse aufeinander sind. Kinder werden, wenn sie die Verantwortung für etwas übergestülpt bekommen, den Fehler bei sich persönlich suchen und schlussendlich wird das wahrscheinlich immer heißen: Ich bin nicht richtig. Ich bin nicht gut. Ich mach es falsch.

Für mich gehört es ganz selbstverständlich dazu, meinen Kindern zu sagen dass ich mich daneben benommen habe. Weil ich mich überfordert fühle, oder weil ich müde bin, oder weil ich Hunger habe. Und wenn ich ihnen das gesagt habe, kümmere ich mich danach um mich. Ich frage auch um Rat (Kinder haben oft erstaunlich einfache Lösungen oder Kompromisse parat..), bitte um Hilfe, ruhe mich aus, oder wir veranstalten eine Kaffeepause.

(Womit wir wieder beim – geht es mir gut, geht es auch meinen Kindern gut – wären…)

Jetzt hoffe ich, dass ich dir mit diesem Artikel einen Einblick geben konnte, wie ich vom Eltern-Anrufbeantworter weg, zu einem achtsameren Umgang miteinander in stressigen Zeiten hinkomme. Vielleicht hast du noch andere Tipps für mich, die dir helfen? Ich freue mich über deine Nachricht oder einen Kommentar! Und wenn dir der Artikel gefallen hat, darfst du ihn wie immer gerne weiterleiten und teilen ♥

Alles Liebe,

deine Maria

 

Weg vom Eltern-Anrufbeantworter, hin zum achtsamen Umgang in stressigen Situationen.

6 Gedanken zu „Weg vom Eltern-Anrufbeantworter, hin zum achtsamen Umgang in stressigen Situationen.

  • 13. Juni 2017 um 20:28
    Permalink

    Hallo Maria, sehr schön geschrieben. Welches Buch von Jesper Juul war es? Vielen Dank

    Antworten
    • 13. Juni 2017 um 22:48
      Permalink

      Hallo Sanne. Danke für deine Rückmeldung 🙂 Das findest du im Buch: Grenzen, Nähe, Respekt. Herzliche Grüße, Maria

      Antworten
  • 3. Juli 2017 um 12:47
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    Danke für diesen Text, hat mir (und meinem Partner)sehr geholfen!

    Antworten
    • 3. Juli 2017 um 14:34
      Permalink

      Liebe Des iree, das freut mich wirklich sehr und ich danke dir für deine Rückmeldung☺❤ Einen wundervollen Tag und liebe grüße an dich

      Antworten
    • 4. Juli 2017 um 11:29
      Permalink

      Ich danke dir für deine Rückmeldung 🙂 Liebe Grüße

      Antworten

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