Schreibt ihr Zuhause einen Wunschzettel für Weihnachten? Wir machen das Jahr, für Jahr. Und auch der Große ist immer noch begeistert dabei, wenn er seine Wünsche auf einen Zettel schreiben kann. Als er noch nicht schreiben konnte, haben wir aus dem Spielzeugkatalog passende Bilder ausgeschnitten und aufgeklebt. Manchmal hat er noch etwas dazu gemalt, oder ich habe schriftlich noch etwas ergänzt, wenn es das gewünschte im Katalog nicht gab. Mittlerweile dämmert es ihm zwar, dass es keinen „echten“ Weihnachtsmann oder das Christkind gibt, aber der Zauber ist nicht verflogen. Und ich glaube das er auch seinem kleinen Bruder zuliebe oder vielleicht auch weil sein kleiner Bruder daran glaubt, diese „Wahrheit“ gern aufrecht erhalten möchte. Der Kleine schreibt das, was er schon schreiben kann und will – malen ist nicht so seins 😉

In 6 Wochen ist es tatsächlich schon wieder soweit und einerseits freue ich mich auf diese Zeit, anderseits nehme ich aber auch den Stress und die Hektik um mich herum wahr, der bei vielen damit verbunden ist.

Jedes Jahr wird mir wieder klar, wie magisch und wundervoll es ist, diese Zeit mit kindlichen Augen zu erleben und selbst wieder diese Magie zu spüren. Ich kann mich noch gut an die Vorweihnachts- und Weihnachtszeit zuhause erinnern. Es war immer eine besondere Zeit. Es gab den klassischen Schokoladen-Adventskalender, wir haben gemeinsam Wunschzettel geschrieben und vor die Tür gelegt, die Nikolausstiefel wurden geputzt und vor die Tür gestellt und an den Adventssonntagen die selbst gebackenen Plätzchen genossen… Am Heiligen Abend haben wir uns alle „schick“ gemacht und sind in den Gottesdienst gegangen. Danach mussten wir in unserem Zimmer warten bis die Weihnachtsglocke klingelte – eine Qual als Kind. Die Vorfreude wurde allerdings immer belohnt, denn als wir ins Wohnzimmer kamen, war der Baum geschmückt, Wunderkerzen brannten und wir haben entweder gemeinsam ein Weihnachtslied gesungen oder, als wir dann älter waren, ein Weihnachtslied von einer CD angehört. Ein wirklich besinnlicher, zauberhafter Moment! Nach der Bescherung gab es Grünkohl, Würstchen und Kartoffelsalat und wir haben einen gemütlichen Abend zusammen verbracht. Wobei, meist haben wir Kinder unsere neuen Spielsachen ausprobiert 😀

Wenn ich so darüber schreibe wird mir klar, dass ich in erster Linie gar nicht die einzelnen Dinge meine, die wir gemacht haben, sondern eher die Emotionen & Werte die dabei vermittelt wurden. Vorfreude, Glück, Gemeinsamkeit, Geborgenheit, Wärme, Liebe, Freude, Nähe… Diese Emotionen und Werte sind mit diesen Dingen eng verknüpft.

Ich habe all das als wärmende Kindheitserinnerung aufbewahrt, denn zur Weihnachtszeit war die Liebe unserer Eltern am deutlichsten spürbar. Sie haben sich viele Gedanken gemacht, Wünsche erfüllt, besonderes Essen gekocht. Sie haben Zeit für und mit uns gehabt, wo sie es sonst nicht konnten. Und all das spüre ich heute wieder, wenn wir als Eltern die Weihnachtszeit gestalten. Natürlich kann man jetzt sagen, dass ja diese Begriffe bzw. Werte das ganze Jahr über zu spüren sein sollten und nicht nur zum Weihnachtsfest. Dem stimme ich auch zu. Aber, ich empfinde die Weihnachtszeit als etwas sehr besonderes und diese Emotionen und Werte, fernab von dem Konsum, dem Stress, der Hektik und dem Alltag, gehören für mich ganz besonders zum Weihnachtsfest und ich möchte sie auch heute mit meinen Kindern, mit meiner Familie genießen.

Das kann ich dann am besten, wenn ich mit meinen Kindern und meinem Mann zusammen Zeit verbringe um den Wunschzettel zu gestalten, gemeinsam die Familien-Geschenke zu planen und zu gestalten, Plätzchen zu backen, oder im Waschbecken gemeinsam die Stiefel zu putzen. Da sind für mich auch Rituale aus meiner Kindheit dabei, die so tief verwurzelt sind, dass ich sie heute immer noch so leben will. Weil ich das Gefühl der Liebe und der Gemeinsamkeit damit verbinde und das auch unseren Kindern gern weitergeben möchte.

Natürlich kann die Weihnachtszeit auch stressig sein. Denn neben der normalen Alltagsplanung und Gestaltung hat man manchmal das Gefühl bei der weihnachtlichen Gestaltung statt Besinnlichkeit, Besinnungslosigkeit anzustreben. Weil man nicht weiß wie man dieses oder jenes planen/gestalten/organisieren soll. Und dann hetzt man von einem zum nächsten. Das ging mir auch so und geht mir auch heute zum Teil noch so. Rechtzeitig alle Geschenke beieinander zu haben treibt mir immer noch Schweißperlen auf die Stirn… Allerdings weiß ich das ich dafür selbst verantwortlich bin. Und viele andere vermutlich auch. Weil sie glauben, dass es nur dann weihnachtlich ist wenn man alles selber macht, 10 verschiedene Sorten Plätzchen und selbst-gebackenen Christstollen anbieten kann, jede Weihnachtsfeier besucht und möglichst viele Weihnachtsmärkte abklappert -weil es ja so schön ist. Für mich ist das nicht´s mehr. Wer das kann, dem sei es gegönnt. Mir ist es oft zuviel des guten. Wenn ich merke, dass es in Stress ausartet backen wir lieber nur 2 Sorten Plätzchen mit den Kindern, ich stelle auch mal nur 4 Kerzen auf einen weihnachtlichen Teller und drapiere Deko dazu oder wir besuchen dann eben nur 2 Weihnachtsmärkte… Das ist auch schön. Und manchmal sogar mehr als das. Denn die Zeit, die für die Dinge übrig ist können wir auskosten, weil wir uns nicht hetzen müssen. Und vor allem: Statt alles alleine zu machen machen wir es Gemeinsam – als Familie.

Ich bin sozusagen von dem „Ich muss“ zu einem „Ich kann, wenn ich dafür Zeit, Muße und Mittel habe“ gekommen und kann dementsprechend planen.

Zugegeben, es ist nicht immer einfach und es ist wohl zu keiner Jahreszeit schwieriger seine Balance zu halten, seine Werte zu leben und sich auch von dem ein oder anderen Gedanken zu verabschieden. Denn auch das zeigt sich bei mir in der Weihnachtszeit: Welche Gedanken/Vorstellungen/Pläne können und dürfen hinterfragt werden?

Dieses Jahr ist mir zum Beispiel beim Wunschzettel schreiben (für und mit den Kindern) aufgefallen, wie ich immer wieder der Versuchung widerstehen musste meinen Kindern zu sagen „Nein, das reicht jetzt an Wünschen. Nein, das bringt das Christkind bestimmt nicht. Denkst du nicht, dass der Wunschzettel lang genug ist. Andere Kinder wären froh, wenn sie überhaupt nur eins kriegen würden…“ Ich rolle gerade beim schreiben selbst mit den Augen…

Wünsche sind Wünsche und dürfen Wünsche bleiben. Ohne Beurteilung oder Bewertung. Also ohne einen Wunsch in „Gut“ oder „Schlecht“ einzuteilen. Denn das kann ich gar nicht. Was für mich vielleicht sinnlos erscheint, ist für unseren Kleinen total sinnvoll. Nur weil sein großer Bruder Spielzeug XY hat, heißt das doch nicht das er das nicht auch haben kann. Weil wenn beide das haben, kann man doch viel besser spielen 😉

Wir wollen unsere Kinder mit ihren Wünschen ernst nehmen, auch wenn der Wunsch (für uns Eltern) nicht immer passend ist. Das versuchen wir nicht nur zu besonderen Anlässen so zu leben, sondern das ganze Jahr über. Trotzdem ist es uns wichtig unseren Kindern zu vermitteln, dass nicht alle Wünsche erfüllt werden können und das es auch Wünsche gibt die nicht angemessen, ja sogar schädlich sind (weil man jemanden etwas schlechtes wünscht zb.) Und wir haben festgestellt, dass das am besten klappt wenn wir die Wünsche annehmen, hinterfragen und darüber ins Gespräch kommen. Anstatt mit Bevormundung oder Belehrung zu reagieren, können wir uns nun mit beiden über Vorstellungen, Werte und Gedanken austauschen. Dabei sagen wir auch mal, dass wir die Spielzeugpistole XY nicht toll finden, weil…, aber das wir verstehen können was daran so toll für unser Kind ist. Das ist für mich mittlerweile sehr bereichernd und ich kann einiges über meine Kinder erfahren 🙂 Zumal es immer wieder vorkommt, dass hinter dem Wunsch ein großes Bedürfnis steckt. Ich kann mich noch daran erinnern, dass unser Großer vor ca 2 Jahren eine Zeit lang bei jedem Einkauf neue Spielsachen haben wollte oder sogar extra in einen Spielzeugladen fahren wollte um sich selbst etwas zu kaufen… erst durch das Nachfragen und zuhören – also in Beziehung zu ihm zu gehen,  haben wir herausgefunden warum er das wollte: Wir haben uns, wenn er etwas neues zum spielen hatte, Zeit genommen um es mit ihm auszupacken, zusammen zu bauen und zu spielen. Es ging gar nicht um neues Spielzeug, es ging darum Zeit mit uns zu verbringen und das Bedürfnis nach Nähe und Liebe zu stillen. Dieses Erlebnis hat sich mir sehr eingeprägt.

In diesem Jahr habe ich es ganz gut geschafft, meinen Jungs den Wunschzettel zu überlassen… und das interessante war, dass unsere Kinder von sich aus den Wunschzettel beendet haben: „Es reicht jetzt, Mama. Das ist sonst übertrieben.“

Und das Wünsche nicht immer erfüllt werden können, wusste auch der Kleine: „Mama, Wünsche sind Wünsche. Und wünschen darf man sich doch alles, oder? Auch wenn man nicht alles bekommt“

Ganz ohne das ich was dazu gesagt hab… 😉

 

 

Wie geht es dir mit der Weihnachtszeit? Hast du viel Stress oder geht es doch eher besinnlich zu? Ich freue mich über deine Gedanken!

Alles Liebe,

deine Maria

Vorweihnachtliche Gedanken, Erinnerungen und der Wunschzettel

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: