Seit gestern hat bei uns wieder die Schule angefangen…bedauerlicherweise… Ich weiß, bzw. höre es immer wieder, dass es doch viele Eltern gibt die „froh“ sind, wenn dann die Ferien endlich vorbei sind und die lieben Kinder wieder vormittags zur Schule gehen (müssen). Bei uns ist das zum Großteil anders. Ich genieße es wenn unsere Jungs zuhause sind. Natürlich gibt es Tage an denen die zwei sich mehr streiten als sonst, oder an dem ihnen besonders furchtbar Sterbenslangweilig ist und dann denke ich auch „puhh…wann hat das ein Ende?“ Vor allen Dingen, wenn ich mich dann eben doch auch an den PC setzen muss und will um dieses oder jenes zu erledigen, nervt es mich schnell wenn sie sich ständig in den Harren liegen, rumbrüllen und Türen knallen… Oder sich auf der Couch hin- und herwälzen vor Langeweile 😉 Vor einiger Zeit habe ich mich dann dafür verantwortlich gefühlt… Beschäftigungstherapie angeboten, meine Wünsche/Bedürfnisse nach hinten gestellt, damit unser Familienleben, trotz Ferien, harmonisch bleibt. Heute mach ich das meistens nicht mehr. Also besser gesagt, ich höre sehr genau hin ob ich gebraucht werde oder nicht. Sie streiten und tun sich weh – da schreite ich ein. Oder sie sind wirklich verzweifelt und traurig, weil sie Kontakt, Nähe und Verbindung suchen und sich deshalb „langweilen“ – dann biete ich gemeinsame Aktivitäten an, höre zu, kuschel.

Gerade am Anfang der Ferien ist die Umstellung von: „Mir sagt von 7.45 Uhr – 12.55 Uhr jemand was ich tun und lassen muss“ auf: „Mach doch das worauf du Lust hast“ schwer.

Da finde ich Langeweile grundsätzlich betrachtet nicht schlimm, meist entstehen dann ja doch nach kurzer Zeit irgendwelche Ideen oder Vorschläge. Langeweile ist ja auch da um herauszufinden wie es mir gerade geht und worauf ich Lust habe. Ich glaube es ist einfach auch wichtig gemeinsam zu besprechen, wie man sich den Ferienbeginn vorstellt und das man miteinander plant… aber dazu ein anderes mal vielleicht mehr.

 

Vorbei sind die Ferien…der Schulalltag ruft wieder.

 

Ich wollte nicht das der Start morgens hektisch und stressig wird und wir die erste Woche damit zu tun haben uns wieder umzugewöhnen. Früher ins Bett gehen, früher aufstehen, Verabredungen, Vereinsaktivitäten, Hausaufgaben… (da bin ich wohl auch ein bisschen vorbelastet, vor allem da die allererste Schulwoche wirklich kein Zuckerschlecken war – für alle! Raus aus der bunten, heilen Kindi-Seifenblase, rein in die strukturierte Schulwelt… Irgendwie scheine ich da ein kleines Trauma zu haben, aber ich arbeite dran).

Deshalb habe ich mir im Vorfeld ein paar Gedanken gemacht was uns helfen könnte, diese erste Schulwoche für alle gut zu gestalten. Denn ich glaube, dass wir als Eltern manchmal auch recht viel oder auch zu schnell erwarten, dass nun alles wieder so läuft wie vor den Ferien. Aber 6 1/2 Wochen sind echt lang und genauso wie die Anfangsferienzeit eben davon geprägt ist, sich auf mehr Freiheit/ -zeit einzustellen, ist eben der Schulstart davon geprägt, dass sich die Kinder wieder an den vorgegeben Rhythmus gewöhnen müssen. Hinzu kommt ja bei uns auch noch, dass unsere Jungs die Ferien komplett zuhause genießen können (ein großes Geschenk für alle), dass heißt wir müssen nicht nach 3 Wochen wieder ins Büro und die Kinder in die Kernzeitbetreuung.

Ich muss vielleicht dazu sagen, dass unsere Kinder in den  großen Ferien sich an ihren eigenen Bio-Rhythmus halten. In den kürzeren Ferien handhaben wir das anders, da wäre es wahrscheinlich anstrengender sich in so kurzer Zeit auf unterschiedliche Strukturen umzustellen. Wir haben zwar eine abendliche Zimmerzeit eingeführt, damit mein Mann und ich eben auch Zeit für uns haben, aber sie konnten dann noch leise spielen, CD hören o.ä. Morgens haben sie dann auch länger schlafen können. Das bedeutet aber im Umkehrschluss auch, dass sie sich eben wieder an das unnatürliche Aufstehen/ins Bett gehen gewöhnen müssen.

Ich persönlich finde ja den Schulbeginn viel zu früh und es ist wissenschaftlich schon lange erwiesen das ein späterer Beginn durchweg positive Auswirkungen auf die Schüler und Schülerinnen hätte. 

Hinzu kommen dann auch die getakteten Vormittage, die Regeln, die Hausaufgaben, der Lärm, die eigenen (gemischten) Gefühle, die veränderten äußeren Faktoren wie neues Klassenzimmer, neue Lehrer, neue Inhalte, höhere Kassenstufe etc. um nur ein paar zu nennen. Bei manchen Kinder kommen auch noch mehr neue Eindrücke hinzu, wenn zb. die Schule gewechselt wurde oder die Betreuungszeit verändert ist…

Ich finde das ganz schön viel für einen (in unserem Fall) 8 jährigen Jungen. Und als ich mir das so bewusst gemacht habe, hab ich erstmal geschluckt und versucht nachzuempfinden wie sich das für mich damals angefühlt hat, bzw. anfühlen würde wenn ich an seiner Stelle wäre, oder als Erwachsener einfach andere Arbeitsbedingungen oder ein anderes Umfeld vorgesetzt bekomme. Denn in meinen Augen passiert genau das: mein Sohn bekommt es vorgesetzt (großartige Wahlmöglichkeiten habe unsere Kinder an öffentlichen Schulen normalerweise nicht – sie müssen da durch, oder?) und wir als Eltern dürfen/müssen einen Weg finden ihn zu begleiten und zu unterstützen.


Aber nun will ich euch nicht lange auf die Folter spannen und meinen kleinen achtsamen Schulstartplaner vorstellen:

  • zwei Wochen vor Schulbeginn haben wir angefangen die Kinder morgens früher zu wecken. Da der kleine wieder in den Kindi gegangen ist, war das eine große Erleichterung und Hilfestellung. Vor allem für den großen Bruder, denn er wollte (und musste von seinem kleinen Bruder aus 😉 ) immer gern mit zum Kindi. Der Start war noch nicht so früh wie in der Schulzeit und konnte wesentlich besser verkraftet werden. Abends kam dann automatisch der frühere Abschluss.
  • Wir haben erst am Ende der Ferien die Schulsachen besorgt, alles gemeinsam angeschaut, ein neues Mäppchen zusammen ausgesucht, sauber gemacht, die Stifte gespitzt… Dadurch kam schon ein wenig Vorfreude auf 🙂
  • In den Ferien selber haben wir auch versucht immer wieder Treffen mit Klassenkameraden/ Freunden zu organisieren – gar nicht so einfach in der Urlaubszeit – aber den Kontakt zu behalten war für unseren Sohnemann auch wichtig.
  • In der ersten Schulwoche habe ich noch nicht zuviel vorgeplant mit anderweitigen Aktivitäten (Arzttermine, Frisör, Einkaufen…) ich habe mir die erste Schulwoche frei gehalten (das kann natürlich nicht jeder) um nachmittags flexibel sein zu können. Ich denke, dass es unserem dabei hilft wenn er weiß das er sich ausruhen kann wenn er es braucht bzw. sich eben auch verabreden kann wenn er es will. Er MUSS aber nirgends hin.
  • Lieblingsmittagessen einplanen 🙂 Es gibt doch nichts schöneres als nach Hause zu kommen und zu wissen, dass man freudig erwartet und liebevoll empfangen wird. Als Kind und auch als „Erwachsener“ freue ich mich immer über eine warme, liebevolle Geste des Willkommenssein und Nach-hause-kommen.
  • Morgens genügend Zeit einplanen. Das mache ich zwar grundsätzlich so, aber jetzt baue ich mir noch einen extra Puffer ein. Ich weiß nicht wie die Nacht war, wann sie einschlafen konnten, wie das aufstehen heute ist – diese Bedingungen ändern sich ja im Prinzip tagtäglich. Und wenn ich genügend Zeit zur Verfügung habe, bin ich wesentlich entspannter und kann mich achtsam auf unterschiedlich Gegebenheiten einlassen. Ich habe alles vorbereitet, habe mich auch schon um mich kümmert und kann für meine Jungs da sein.
  • Nachfragen und Zuhören. Auch das hängt mit dem Zeitfaktor zusammen. Nur weil es vor den Ferien morgens so und so lief, heißt das ja nicht das es jetzt automatisch auch so läuft. Also frage ich – möchtest du lieber etwas früher geweckt werden und mehr Zeit haben, oder 10 min länger schlafen, Frühstück ja oder nein – hast du vielleicht schon einen Wunsch? (dann kann ich es besser vorbereiten und ich als Kind fand es wenig appetitlich immer das gleiche zum Frühstück essen zu müssen, oder überhaupt frühstücken zu müssen…) Ich gehe hier auch immer wieder von mir aus. Ich finde es schön wenn ich gefragt werde wie ich mir was vorstelle und im Kontakt mit meinen Mitmenschen bin. Fühle mich dadurch geschätzt und als „Teil einer Gemeinschaft“. Und ich kann so auch ganz gut herausfinden ob alte Strukturen immer noch passen oder eben nicht.
  • leckeres Pausenbrot auf das man sich freut! Auch das versuche ich immer umzusetzen, manchmal muss es schnell gehen klar, aber ich denke das ein leckerer, gesunder Pausensnack nicht viel Aufwand machen muss. Geschnittene Äpfel schmecken mir übrigens auch heute noch viel besser 😉
  • Für mich selbst sorgen – ein immer wiederkehrender Faktor für mich, der zu einem ausgeglichenerem Alltag führt. Ich habe auch schon den Kindi-Schulalltag für mich unterschätzt, hab dann vormittags drölfmilliarden Dinge erledigt und war nachmittags k.o. weil mein Akku leer war. Keine Nerven für müde Kinder, keine Nerven für anstrengende Hausaufgaben… Gestern habe ich zb. nur ein paar kleine Haushaltsdinge erledigt, mich dann auf die Couch gelegt und mir Interviews aus dem gerade laufenden „Kinder sind Frieden Symposium“ angeschaut. Ich habe also „gelernt“ und mich mit meiner Weiterentwicklung beschäftigt, konnte mich dabei aber trotzdem entspannen und hatte Energie für den  Nachmittag/Abend
  • Mal fünfe gerade sein lassen. In den Ferien bleibt meist auch dieses oder jenes bei uns liegen und irgendwie wartet man auch auf die „freie“ Zeit, wenn man tun und lassen kann wie man will und sich ENDLICH um die schmutzigen Fenster, den Kühlschrank oder das Aussortieren vom Kleiderschrank kümmern kann. Echt? Kann das nicht noch ne Woche warten, wenn ich merke es passt jetzt vielleicht doch noch nicht? Ich spreche hier wirklich nur von Dingen die nicht im beruflichen Zusammenhang stehen oder von Dingen die nicht aufgeschoben werden können. Ich für mich habe einfach die Beobachtung gemacht, dass ich mir meine To-Do-Liste zu voll packe, dann bin ich frustriert. Jetzt schreibe ich mir weniger auf und wenn es doch günstig ist, putze ich eben doch diese Woche die Fenster 🙂 Da kann ich mich am Ende der Woche vielleicht über das ein oder andere Extra das ich geschafft habe freuen.
  • Bedürfnisse erkennen, wahrnehmen und erfüllen. Ist das jetzt nur ein Wunsch oder steht da noch etwas anderes dahinter? Mit Bedürfnissen meine ich zb. das Bedürfnis nach Ruhe und in dem Zusammenhang der Wunsch 3 Stunden TV zu schauen. Generell sehen wir es nicht ganz so eng mit TV/Tablet etc., wissen aber das Selbstbestimmung in diesem Bereich für uns alle nicht funktioniert und unsere Jungs da begleitet werden wollen. Wir tauschen uns immer wieder aus, hören zu, um herauszufinden um was es denn jetzt eigentlich WIRKLICH geht. Vielleicht kennt ihr auch folgende Situation: Der Wunsch sofort nach der Schule sich auf die Couch zu legen und den Fernseher anzumachen. Ich habe es am Anfang einfach nicht verstanden, nicht gesehen das da ein Bedürfnis nach Erholung im Vordergrund stand. Erst nach Tränen und Frust fiel der Groschen bei mir und dieses Erlebnis hat mir deutlich vor Augen geführt, dass nicht immer der Wunsch im Vordergrund steht, sondern es immer wieder gut ist, gezielter nachzufragen und hinzuhören. Immer wieder nach der Schule oder dem Kindi wichtig: Bedürfnis nach Ruhe und Zeit für Entspannung – kein Thema, aber nicht unbedingt 3 Stunden vor dem Fernseher. Gemeinsam kuschelnd ein Hörspiel hören, aus dem Lieblingsbuch vorlesen kann auch zur Entspannung beitragen.
  • das leidige Thema Hausaufgaben…dieses Thema gehört für mich zu den Dingen, die mich am meisten herausfordern. Ich werde schnell ungeduldig, dass spürt er natürlich sofort und spiegelt mir das umgehend („schlaues“ Kind 😉 ) Ich weiß aber warum und wieso ich hier wirklich schnell angetriggert werde und kann handeln. Ich kann mir Strategien überlegen wie ich am besten damit umgehe. Vor allem nach den Ferien versuche ich mir ganz bewusst zu machen, dass die Ungeduld aus mir kommt, weil ICH einen wunden Punkt spüre (Thema inneres Kind –> eigene Schulerfahrungen) Für mich ist dann hilfreich, mitfühlend und geduldig mit mir selber zu sein – nicht immer einfach und es klappt mal mehr und mal weniger gut. Aber mein Anspruch ist es auch nicht immer alles richtig zu machen, sondern auch hier Verantwortung für mich und mein Handeln zu übernehmen.
  • Abends nehmen wir uns ganz gezielt Zeit um zu reden und zu kuscheln, gerade vor dem Schlafen gehen. Unser Sohn sagt dann gerne „ich muss noch meinen Liebestank auffüllen“ Gerade wenn die Zeit der Trennung wieder länger ist, brauchen beide immer etwas mehr Verbindung (auch gemeinsames spielen/beschäftigen tagsüber ist dann meist öfter gefragt) , bis die „neue“ Struktur wieder zum Alltag dazu gehört.

 

Und wie lange dauert die Umstellung auf den Schulalltag? Keine Ahnung, ist ja auch nicht so wichtig. Jeder hat hier sein eigenes Tempo und das darf ja auch so sein. Unser kleiner tut sich meist nicht so schwer mit Veränderungen, unser großer ist hier einfach sensibler. Aber auch das kann mal ganz anders sein und wir Eltern können hier immer wieder nur hinspüren und hinhören wie es uns und unseren Kindern im Familienleben geht.

Generell kann ich sagen, dass ein achtsames Begleiten unserer Kinder, auf Beziehungsebene und Bedürfnisorientiert für alle, gerade in Umstellungsphasen, sehr hilfreich ist um diese so entspannt wie möglich zu gestalten und so zu einem harmonischerem Familienalltag beiträgt. Das sind zumindest meine eigenen Erfahrungen. Wie ist es bei euch zuhause? Gelingt die Umstellung gut von den Ferien auf die Schulzeit? Vielleicht hast du auch noch andere Impulse für mich – nur her damit, ich freue mich auf deinen Kommentar 🙂

Alles Liebe,

deine Maria

Schulstart und gleich gestresst? Nicht mit mir – (m)ein achtsamer Schulstartplaner

Kommentar verfassen

%d Bloggern gefällt das: