Mein kleiner Sohn spielt. Und er spielt gerne. Stundenlang. Total vertieft in sich und seiner Welt. Wir wollen aber los und sind schon zu spät. Einmal rufen…zweimal rufen…ins Zimmer gehen und bescheid sagen…erneut rufen (diesmal lauter und energischer)…genervt sein „Jetzt beeil dich mal…Wie viel Einladungen brauchst du denn noch bis du kommst, oder hast du schlechte Ohren?“…
Kennt ihr das von euch? Wenn nicht, dann fühlt euch umarmt – ihr seid in der Lage zu erkennen wann euer Kind aufnahmebereit ist und euch zuhören KANN. Ja ich spreche von kann. Denn es geht nicht ums wollen. Unser Kind will uns immer zuhören. Davon bin ich überzeugt. Solange wir dabei freundlich und wertschätzend bleiben. Geht uns großen ja auch so…ich schalte auf Durchzug wenn mir einer „blöd“ daher kommt…
Mir ist das aber leider passiert. Bevor ich zum Beispiel um verschiedene kognitive Entwicklungen und auch meine Kindheitserfahrungen mit Stress und Eile wusste.

Jetzt weiß ich es besser und soll ich euch was verraten? Meine Kinder haben eigentlich noch NIE mehrere Einladungen gebraucht und sie hören ausgezeichnet. ICH war diejenige die nicht hören konnte. Die nicht sehen konnte, dass da gerade zum Beispiel etwas sehr wichtiges und spannendes passiert im Spiel, dass nicht einfach so unterbrochen werden kann. Und das meine Kinder etwas besitzen, was ich nur noch selten empfunden habe…pures Glück im Tun und Sein, sich fließen lassen und völlig darin aufzugehen. FLOW nennt man sowas. Habt ihr bestimmt schon gehört?! Seitdem ich mich mit meinen Herzensthemen auseinander setze, erlebe ich übrigens diesen Flow auch wieder…

Was kann man als Eltern also tun, um sicher zu gehen das Botschaften auch wirklich ankommen? Damit eben genau oben beschriebenes Szenario nicht passiert? Ich habe für mich/uns ein paar Dinge entdeckt die uns wirklich im Alltag helfen besser wahrgenommen, gehört und verstanden zu werden und diese möchte ich gerne mit dir teilen.

  • Es gibt für mich persönlich einen entscheidenden Punkt, der mir ein „Aha-Erlebnis“ bescherte: Kinder brauchen mehrere Sekunden um überhaupt erst einmal zu registrieren das da jemand ist der mit ihnen sprechen will! Das bedeutet, wenn ich am Kinderzimmer vorbei rennend rufe „Zieh dich an, wir wollen los“ ohne wirklich in Kontakt zu sein, geht das oftmals gewaltig in die Hose. Und dann entsteht Frust und Ärger wo überhaupt keiner sein müsste… Das bedeutet also, ich muss Kontakt herstellen – wie ich das mache kannst du weiter unten lesen…
  • Dann funktioniert es ganz gut schon vorher genügend Zeit einzuplanen. Ja ich weiß das klappt nicht immer. Muss es auch nicht. Wenn ich aber in 8 von 10 Fällen entspannt aus dem Haus gehen kann – mit Kind-/ern ist das doch super 😉
    Bevor wir angezogen sein sollten, sage ich bescheid „Wir müssen uns bald anziehen. Spiel noch ein bisschen, ich komme dann nochmal.“ Manchmal funktioniert auch die Eieruhr als Zeitgeber gut, wenn sie klingelt ist es Zeit zum anziehen. Wie viel Zeit meine Kinder brauchen ist ganz unterschiedlich und erfordert eigentlich „nur“ Achtsamkeit.

Wenn ich mit meinen Kindern spreche und eine (für mich) wichtige Botschaft habe, dann achte ich auf folgende Dinge:

  • Augenhöhe, kurze Berührung, warten auf Augenkontakt (gesehen werden) und das kann manchmal tatsächlich ein paar Sekunden dauern bis Blickkontakt entsteht oder ein „Ja“ kommt; Nachfragen: Kannst du mir zuhören? Dann erst kurze Formulierung von meinem Wunsch/Vorhaben (Ich will jetzt einkaufen gehen und möchte dich anziehen…) und das kurze Nachfragen ob alles verstanden worden ist. Während dieser Zeit bleibe ich immer auf Augenhöhe und auch in Körperkontakt. Für mich ist das wichtig, mein Kind dann zu spüren und ich habe das Gefühl das meine Botschaft besser ankommt. Und wenn mein Sohn mir sagt, dass er gerade nicht zuhören kann? Dann akzeptiere ich das und komme ein paar Minuten später. Das „Nein“ zu akzeptieren war für mich am Anfang sehr ungewohnt – denn ich hatte eine andere Erwartung…aber dazu schreibe ich in einem anderen Beitrag einmal mehr.

Grundlegend ist für mich auch die Erfahrung die unsere Kinder mit uns machen, wenn wir ihnen zuhören sollen oder sie eine Bitte an uns richten. Achtest du darauf wie du deinen Kindern zuhörst? Bist du zugewandt oder mit anderen Dingen beschäftigt? Tust du so als ob und sagst beiläufige Kommentare wie „Mh“ und bist in Gedanken aber ganz woanders? Ich denke das wir hier für die Zukunft einen grundlegenden Stein legen. Wenn unsere kleinen Kinder in den allermeisten Fällen auf offene und aufmerksame Ohren stoßen, werden sie, auch wenn sie Älter sind, wissen das wir da sind wenn sie etwas wichtiges zu sagen haben.

 

„Denke immer daran, wenn du etwas sagst dann wiederholst du nur das, was du sowieso schon weißt. Aber wenn du zuhörst, dann kannst du noch neues erfahren.“ (Dalai Lama)

Eine weitere für mich wichtige Erkenntnis ist einfach mal abzuwarten. Geduldig zu sein. Das fällt uns Erwachsenen so schwer. Immer muss es „gleich“ passieren oder „jetzt“. Und wir vergessen, dass wir zeitlich betrachtet eine ganz andere Vorstellung von diesen Begriffen haben. Ich habe es so oft erlebt, dass meiner Bitte nachgekommen wurde – zwar erst dann wenn mein Kind dazu in der Lage war (und ich am Anfang mit zusammen gebissenen Zähnen und trommelnden Füßen gewartet habe… 😉 ) aber es hat geklappt. Ohne Meckern, ohne Dreimaliges erinnern, ohne laut werden… NUR durch abwarten.

Natürlich hängt vieles auch mit dem Alter der Kinder zusammen. Je jünger sie sind, desto mehr Zeit und Geduld braucht es oft im Alltag. Ich merke das auch bei uns ganz deutlich – unser Kleiner braucht natürlicherweise noch deutlich mehr Einfühlungsvermögen und auch Geduld von unserer Seite als unser Großer. Er hat schon deutlich mehr Reifungs- und Entwicklungsprozesse durchschritten und ist in seiner kognitiven Entwicklung viel weiter. Wichtig ist aber auch bei ihm, dass wir zum Beispiel ganz klar und deutlich zu unseren Wünschen/Bedürfnissen stehen. Sobald er merkt das wir unsicher sind, fängt das Verhandeln an 😉

Wenn ich oder wir uns an diese kleinen „Regeln“ zuhause halten, können unsere Kinder (vor allem der kleinere) sich viel besser auf Unterbrechungen einstellen. Und ich finde nicht, dass das etwas mit „Weichspülkindererziehung“ oder „Verwöhnen“ zu tun hat. Für mich bedeutet das schlicht und einfach mich zum Beispiel an den körperlichen Entwicklungen meines Kindes zu orientieren und den Alltag danach auszurichten. Das bedeutet sie erfahren Wertschätzung und Achtsamkeit.  Und wenn ich dann noch überlege wie oft ich meine Kinder vertröste…ich denke da ist es durchaus drin selber auch auf die Bremse zu treten. Zu warten und geduldig zu sein und das wir dann einfach mit unseren Kindern kooperieren 😉

Wie gelingt euch gute Kommunikation zuhause? Hast du vielleicht andere Erfahrungen gemacht die du gerne mit mir teilen möchtest oder konnte ich dir vielleicht den ein oder anderen „Tip“ geben? Ich freue mich auf deine Gedanken dazu und lese sie gerne 🙂

Deine Maria

Mach schon…komm doch…beeil dich… Wie das Zuhören im Familienalltag besser gelingen kann

5 Gedanken zu „Mach schon…komm doch…beeil dich… Wie das Zuhören im Familienalltag besser gelingen kann

  • 31. März 2017 um 22:59
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    Hallo Maria,

    Ich musste gerade so in mich reingrinsen, weil es mir heute Morgen wieder genau so erging wie von dir beschrieben: Ich wollte meine Tochter ermuntern, sich doch endlich anzuziehen, um pünktlich in den Kindergarten zu kommen, hatte dabei aber das Gefühl, auch mit einer Wand sprechen zu können. Irgendwann werde ich dann auch immer ungeduldig und etwas lauter. Ich werde versuchen, in Zukunft deinen Tip mit dem direkten Kontakt umzusetzen. Bin gespannt und werde berichten.

    Ganz liebe Grüße,

    Miri

    Antworten
    • 1. April 2017 um 9:38
      Permalink

      Hallo Miri. Danke für deinen Kommentar und ich bin gespannt auf deine Erfahrung ☺ Selbsterkenntnis soll ja der erste schritt zur Veränderung sein 😉 Liebe grüße

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  • 3. April 2017 um 11:07
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    Hallo,mein Schatz!
    Ich bin mir sicher,Du wirst viel bewegen können und wir sind sehr stolz auf Dich!Fühl Dich ganz doll umarmt…Ma und Pa

    Antworten
    • 3. April 2017 um 11:17
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      Ich danke dir sehr 🙂 Ich weiß das ich immer eure Unterstützung habe und das ist wirklich kostbar und wertvoll für mich! Hab euch Lieb ♥

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  • Pingback: Von der ER-ziehung zur BE-ziehung. Meine Wegweiser für uns und für dich – Maria Abel – Dein Bauchgefühl

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