Heute schreibe ich also meinen ersten Artikel überhaupt für meinen Blog…und es soll hier heute um etwas ganz grundsätzliches gehen. Etwas worüber ich mir lange nicht wirklich bewusst Gedanken gemacht habe. Klar hatte ich solche Gedanken wie…“meine Kinder sollen höflich sein, sich am Tisch oder in der Öffentlichkeit benehmen können, sich respektvoll gegenüber anderen Menschen/Lebewesen verhalten, Sinn für Ordnung und Sauberkeit entwickeln etc.pp… Die Liste könnte ich wohl noch ne Weile fortführen.

Aber in den letzten Jahren – in denen ich mich wirklich intensiv und beinahe täglich bewusst mit meiner Erziehung und der Erziehung/Beziehung meiner Kinder auseinander setze, habe ich festgestellt dass meine „Ziele“ die ich habe, irgendwie nicht richtig greifbar für mich sind.

Wir begleiten unsere Kinder ein Leben lang, die ersten Jahre sehr intensiv und eigentlich ist es doch unglaublich wichtig zu wissen, was ich weitergeben möchte…

Warum möchte ich die Entwicklung für meine Kinder? Wer sagt denn, dass sie sich nicht sowieso dahingehend entwickeln? Muss ich sie dahingehend erziehen, oder kommt das von alleine – sind diese Werte vielleicht sogar schon in ihnen? Was lebe ich, oder besser gesagt wir, ihnen im Alltag vor? Welche Werte und Grundvorstellungen leben wir wirklich? Lasse ich auch zu, dass sie vielleicht anders darüber denken (jetzt und in Zukunft)? Welche Werte habe ich von meinen Eltern erfahren und lebe ich diese Werte heute? Was hat sich vielleicht verändert? Was wünsche ich mir für unsere Kinder?

Ihr könnt sehen, da waren einige Dinge dabei die mich so beschäftigt haben. Und darauf gestossen bin ich erst, als es im Laufe meines Fernstudiums um die verschiedenen Erziehungsarten-/stile und deren Auswirkung ging.

Laissez faire (oder auch anti-autoritär), demokratischer und autoritärer Erziehungsstil nach Kurt Lewin sind wahrscheinlich keine unbekannten Begriffe und einige wissen vielleicht auch, worum es beim jeweiligen Erziehungsstil geht.

Für alle denen die Begriffe eher unbekannt sind, hier eine kurze eigene Definition:

Laissez-faire: Das Kind, kann tun und lassen was es möchte. Es gibt keine oder kaum Begleitung durch Erwachsenen, die Beziehung wirkt eher desinteressiert. Das Kind soll möglichst alle Erfahrungen alleine machen. Hohes Mitspracherecht im Alltag.

Autoritär: Das Kind wird streng begleitet, erhält von den Erwachsenen Vorgaben wie es sich zu verhalten hat. Bei Nichtbefolgung wird das Kind durch Strenge, Disziplin und Strafen darauf hingewiesen und zur „richtigen“ Handlung erzogen. Das Verhältnis ist eher distanziert, hierarchisch und demonstriert die eigene Überlegenheit („ich bin der Erwachsene und somit der Stärkere von uns beiden“). Geringes Mitspracherecht im Alltag.

Demokratisch: Das Verhältnis ist freundschaftlich und liebevoll. Die Kinder werden durch ihren Alltag begleitet. Gegenseitiger Respekt und Achtung sind wichtig. Den Kindern wird Verantwortung und Vertrauen entgegengebracht sich möglichst frei zu entwickeln. Es werden keine Strafen erteilt, aber natürliche Konsequenzen aufgezeigt/umgesetzt. Die Kinder werden in den Alltag eingebunden und das Mitspracherecht ist ausgewogen.

Als erstes habe ich mich in allen drei Erziehungsstilen wiedergefunden. Aber nicht weil ich jedem etwas abgewinnen konnte…es war eher situationsabhängig…lief ein Tag gut, ging es mir gut herrschte eher Demokratie zuhause. War es allerdings so, dass es mir nicht gut ging (Müdigkeit, Überlastung…) herrschte die Autoritätsperson und die Hierarchien waren klar verteilt. Und da kam ich ins Grübeln. Meine Kinder wussten an manchen Tagen schlichtweg nicht woran sie waren und das war für uns alle problematisch.

Ihr kennt das vielleicht auch, wenn es euch nicht gut geht und der Tag eh schon hundsmiserabel und zum davonlaufen ist, dann hat man doch manchmal das Gefühl heute wollen die Kinder erst recht nicht kooperieren und reizen uns mit Absicht…?

Ich habe dann für mich folgendes festgestellt: Meine Kinder rufen in diesen Momenten nach mir und teilen mir mit, dass ihnen Sicherheit fehlt. Ganz einfach eigentlich. Die Sicherheit sich auf mich verlassen zu können. Egal wie es mir geht, ich meinen Werten treu bleibe und das auch so kommuniziere.

Das es egal ist, wann das Glas umkippt. Egal ob es heute passiert – und es geht mir gut oder eben morgen – und es geht mir nicht gut. Das ich dann trotzdem wertschätzend bleibe (denn das ist mir ein wichtiger Wert!) und das meine Kinder meinen Launen nicht hilflos ausgeliefert sind.

Genau deswegen rebellierten sie an solchen Tagen (und tun es immer noch 😉 ) – denn sie wollen ihre Mama zurück. Ihre Mama, der es wichtig ist auf Augenhöhe zu sein. Respektvoll miteinander umzugehen. Der es egal ist, wenn ein Glas umkippt – denn man kann es ja gemeinsam aufwischen. Der es wichtig ist, nicht EIN Verhalten zu beurteilen und dann das ganze Kind zu bewerten und zu verurteilen. Die Mama, die von Liebe spricht und bei der sie es auch so fühlen.

Schlussendlich bin ich dazu gekommen meine Werte zu sortieren und zu hinterfragen.

Was habe ich in der Kindheit für Werte erfahren…Respekt, Zusammenhalt, Hilfsbereitschaft, Gehorsam, Bescheidenheit sind einige davon. Möchte ich alle Werte weitergeben? Nein, nicht alle genauso. Manche Werte haben sich bei mir verändert. Bescheidenheit zum Beispiel ist Dankbarkeit gewichen. Hilfsbereitschaft ja – aber keine Selbstaufopferung. Gehorsam gehört zu den Werten die ich gar nicht weitergeben möchte. Und die Frage wie ich diese Werte vermittel…nun Kinder lernen durch Vorbilder und wir Eltern sind in den ersten Lebensjahren starke Vorbilder.

Dein Alltag ist ihre Kindheit“

Was hilft mir im Alltag diese Gedanken nicht zu verlieren? Mich bewusst daran zu erinnern. Und das tue ich regelmäßig. Gerade dann, wenn es zuhause kocht und brodelt besinne ich mich auf meine Werte und was ich meinen Kinder für die Zukunft mitgeben will. Denn das ist letztendlich das was am Ende des Tages zählt…Habe ich respektvoll gehandelt, war ich emphatisch und liebevoll? Habe ich meine Grenzen klar kommunizieren können und die Grenzen meiner Kinder eingehalten? Oder habe ich Machtkämpfe ausgetragen und ihnen signalisiert das der Stärkere (ich) immer den Schwächeren (meine Kinder) besiegt?

Ich kann und will sie nicht verbiegen und verziehen. Ich kann ihnen nur zeigen was in unserem Zuhause wirklich wichtig ist und darauf vertrauen, dass sie dieses Wissen, diese Werte die sie selbst als wertvoll betrachten dann selber in die Welt tragen… Das sie in eine freie und WERTvolle Zukunft gehen können.

Wie sieht es bei euch zuhause aus? Hast du dir über Ziele und Werte schon einmal Gedanken gemacht? Du kannst mir gerne einen Kommentar hinterlassen, eine Nachricht schicken oder den Beitrag weiterleiten wenn dir die Botschaft gefällt.

Ich freue mich auf deine Gedanken ♥

Deine Maria

Hast du Erziehungsziele und Werte?

4 Gedanken zu „Hast du Erziehungsziele und Werte?

  • 24. März 2017 um 10:35
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    Hallo Maria, zunächst einmal herzlichen Glückwunsch zu deinem ersten Blog-Beitrag! Mir gefällt dein Schreibstil – du baust eine Beziehung zum Leser auf, indem du offen bist und Fragen stellst. Inhaltlich gefällt mir der Beitrag auch sehr, nur die Überschrift passt meines Erachtens nicht ganz dazu. Die Überschrift ließ mich vermuten, es ginge darum, wie ich meine Erziehungsziele und Werte für mich finde. Im Beitrag geht es eher darum, wie ich sie lebe – also so empfinde ich es. Genial finde ich „Dein Alltag ist ihre Kindheit“ – das ist ein enorm hilfreicher Gedanke! Ich finde es toll, dass du am Ende des Beitrages die Eltern ermunterst sich über Ziele und Werte Gedanken zu machen – ganz allgemein und für sich selbst – nicht nur, was wir den Kindern vermitteln wollen. Wir vermitteln ja doch nur was wir vorleben. Vielen Dank für deinen Beitrag, ich fand ihn inspirierend! Freue mich darauf, wieder von dir zu lesen!

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    • 24. März 2017 um 11:41
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      Hallo liebe Kerstin! Ich danke dir von Herzen für dein Feedback (ganz schön aufregend den ersten Kommentar zu bekommen, der nicht von Familie/Freunden stammt 😉 ) Ich freue mich das dir der Beitrag gefällt und du dich davon inspirieren lassen konntest ♥ Die richtige Überschrift zu finden, ist gar nicht so einfach habe ich festgestellt…vielleicht kann ich beim nächsten Beitrag noch differenzierter werden.
      Liebe Grüße von Maria

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  • 3. April 2017 um 21:58
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    Hallo Maria, ein wirklich wichtiger Blogbeitrag. Ich konnte auch schon einen Zusammenhang feststellen , dass Kinder an schwierigen Tagen ihre „alte“ und liebevolle Mama wiederhaben wollen und dies dann auch deutlich zeigen. Ich finde dies eine wichtige und auch wertvolle Rückkopplung der Kinder, die auf eine Schieflage in der Beziehung hindeutet. Aber es ist schwierig wenn man beispielsweise mal richtig flach liegt und nicht mal mehr aufstehen kann, aber das eigene Kind noch nicht in der Lage ist(bzw. noch nicht zur Perspektivenübernahme fähig ist) der Mama dann mal eine Auszeit zu gönnen. Sie sind dann einfach verunsichert (wie du auch schreibst) und vielleicht auch ängstlich, weil sie Mama so nicht kennen! Danke für deinen Beitrag und weiterhin alles Gute <3

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    • 4. April 2017 um 15:19
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      Hallo Melanie. Vielen Dank für deine liebe Wertschätzung. Du hast absolut recht, das gespiegelt werden ist ein wichtiger Hinweis. Aber manchmal eben auch einfach schwierig das so wahrzunehmen. Zum Glück lieben unsere Kinder uns bedingungslos und verzeihen uns solch schlechte Momente 😉 und perfekte Eltern müssen wir zum Glück nicht sein… Viele liebe Grüße, Maria

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