Am Wochenende gab es zwei Artikel die mich sehr beschäftigt haben. Also eigentlich beschäftigt mich dieses Thema immer – mal mehr, mal weniger. Je nachdem was ich eben auch so erlebe.

Es geht um das Thema Gewalt. Gewalt an Menschen – vor allem an Kindern und doch ist es egal welches Alter, Geschlecht, Herkunft…

An dieser Stelle möchte ich hier eine TRIGGERWARNUNG aussprechen. Es gibt viele Menschen die selbst Gewalt erlebt haben und ich möchte, dass du dich ganz bewusst entscheidest ob du diesen Artikel (und die verlinkten) lesen magst oder nicht!

Mir ist es ein großes Anliegen, selbst meine Gedanken dazu nieder zuschreiben. Es ist ein äußerst heikles Thema. Ein Thema welches mich oft sehr betroffen macht. Lange Zeit habe ich Mitleid mit den Opfern gehabt und die Täter verabscheut, verurteilt, über sie gehetzt und ihnen sonstwas gewünscht…

Es ist erstaunlich das in unserer neuen Welt, der modernen Gesellschaft, einer Gesellschaft der es materiell betrachtet an nichts fehlt, Gewalt – egal ob physisch oder psychisch – tagtäglich statt findet. Tagtäglich viele Augen nicht hinsehen. Tagtäglich gewalttätige Handlungen toleriert, akzeptiert, normalisiert und verharmlost werden.

Gewalt. Die Gewalt.

Bedeutung:

  1. Macht, Befugnis, das Recht und die Mittel, über jemanden, etwas zu bestimmen, zu herrschen unrechtmäßiges Vorgehen, wodurch jemand zu etwas gezwungen wird
  2. [gegen jemanden, etwas rücksichtslos angewendete] physische oder psychische Kraft, mit der etwas erreicht wird
  3. (gehoben) elementare Kraft von zwingender Wirkung

Synonyme:

  • Befehlsgewalt, Herrschaft, Macht
  • Druck, Zwang; (bildungssprachlich) Pression
  • Gewaltsamkeit, körperliche/physische Kraft; (bildungssprachlich) Brachialgewalt
  • Heftigkeit, Kraft, Stärke, Wucht; (bildungssprachlich) Vehemenz

Wer die Begriffserklärung gelesen hat und diesen im Zusammenhang mit Erziehung (Methoden wie bestrafen, einsperren, stiller Stuhl, Drohungen etc.) betrachtet, wird vermutlich feststellen, dass Erziehungsmethoden auch unter Gewalt einzuordnen sind.

Der eine Artikel, der mich zuerst erreicht hat, kam von piepmadame. Ironischerweise habe ich mich kurz vor Weihnachten mit meinem Mann erst über solch eine Situation unterhalten. Was würden wir tun, wenn ein Ehepartner so behandelt werden würde, wie wir es oft im Umgang mit Kindern beobachten können? Wann würden wir einschreiten und wie? Anlass war eine Situation, die wir beide erlebt haben und wir uns später darüber ausgetauscht haben – der Redebedarf war groß, das Erlebnis schockierend für uns beide. Hier der Artikel von piepmadame: Gewalt bleibt Gewalt

Ich habe, dass sage ich ganz ehrlich, große Probleme damit, auf andere Menschen zuzugehen und in schwierigen Situationen dazwischen zu gehen. Seitdem ich an mir, mit meinem inneren Kind „arbeite“, erkenne ich nach und nach wie groß die Prägungen & Glaubenssätze sind, nach dem Motto: „Jeder kehrt vor seiner eigenen Tür.“ „Das geht uns nichts an.“ „Das wird schon einen Grund haben…“ etc.

Es gilt zum Großteil immer noch der Gedanke, dass der „Schwächere“ dem „Stärkeren“ überlegen ist. Wer hier der Schwache und der Starke ist, zeigt sich durch unterschiedliche Signale. Alter, Herkunft, Sprache, Gestik, Mimik, Körperhaltung, Bildung… alles nehmen wir unterbewusst schnell wahr und ordnen uns unter…oder über…je nachdem. Wir haben es so beigebracht bekommen. „Wenn ich mich nicht unterordne geht es mir schlecht“. Es wird eine Rangordnung geschaffen, die, wenn wir uns damit nicht bewusst auseinandersetzen unser ganzen Leben beeinflusst. Ist jemand mehr wert, weil er älter ist? Oder reicher? Oder eine hellere Hautfarbe hat? Oder männlich ist?

Darf jemand der „über“ einem steht, anderen Menschen Leid zufügen, ohne das wir einschreiten, weil „Es war halt immer schon so“, „Das geht uns nichts an“ oder „Das hat mir doch auch nicht geschadet“? MÜSSEN wir an diesem Gedanken festhalten?

Ich sage NEIN. Wenn ein Mensch einem anderen Leid zufügt, dann muss ich hinsehen. Dann bin ich, aus meiner Sicht, in einer ethischen und moralischen Pflicht einzuschreiten, um vielleicht schlimmeres zu verhindern. Und ich habe mich vor einer Weile tatsächlich getraut- das sage ich nicht um Lorbeeren einzuheimsen – mit klopfendem Herzen und trockenem Hals habe ich dem Elternteil meine Hand auf die Schulter gelegt und gefragt ob ich helfen kann. Habe abgelenkt, versucht mit dem Kind zu sprechen und beiden Empathie und Mitgefühl entgegenzubringen.

Empathie.

Synonym: Einfühlungsvermögen. Empathie ist die Fähigkeit und die Bereitschaft, Gedanken, Gefühle, Einstellungen und Eigenschaften des Gegenübers wahrzunehmen und auch zu verstehen. Sie ist notwendig um sich in den anderen einfühlen zu können, sich innerlich auf die Position des anderen zu begeben.

Mitgefühl.

Die Fähigkeit eine emotionale Reaktion auf die Gefühle des anderen zu bilden. Sie gehört zur Empathie dazu und kann zb. ein Impuls für Trost – als Reaktion auf Trauer oder Schmerz – sein.

(Quelle: Katharina Saalfrank; Was Kinder brauchen)

Beide Fähigkeiten können in uns Menschen nur dann herausgebildet werden, wenn wir sie selbst erfahren. Erfahren wir kein Mitgefühl, oder kein empathisches Verhalten können wir diese auch nicht herausbilden. Machen wir in unserer Kindheit immer wieder schmerzhafte Erfahrungen mit unseren Bezugspersonen, durch zb. Demütigung, Scham, Ängste, schaltet das Gehirn diesen Teil im Gefühlszentrum aus, damit wir nicht immer und immer wieder diesen Schmerz erleben müssen. Allerdings passiert noch etwas anderes – die Fähigkeit Gefühle zu entwickeln wird außerdem zu einem Teil ausgeschaltet. Wir verlieren die Sensibilität mit uns selbst und auch mit anderen. Und durch diese Erlebnisse, diese De-sensibilisierung gibt es viele Menschen die der Meinung sind, dass „ein Klaps doch nicht schadet, denn wer nicht hören will muss fühlen“ Klar das sie so empfinden, wenn das Gehirn keine Signale mehr senden kann, durch vorangegangene schmerzhafte Erfahrungen…

 

 

Strafen/Konsequenzen/ gewaltvolle Handlungen verändern unsere emotionale Entwicklung. Für mich ist es langsam kein Wunder mehr, warum unsere Welt so ist wie sie ist. Wie viele verletzte innere Kinder sitzen wohl jeden Tag in Vorstandssitzungen, an politischen Entscheidungstischen, oder in anderen Positionen die über das Wohl einer ganzen Gesellschaft entscheiden? Ohne die Fähigkeit sich einfühlen zu können, mitfühlend zu sein…

Ein Kreislauf der von Generation zu Generation weitergegeben wird.

Können wir diesen Kreislauf durchbrechen?

Ich glaube JA. Indem wir bei uns anfangen. Uns selbst wertschätzen, annehmen wie wir sind, uns selbst lieben. Und indem wir unseren Kinder in einer Beziehungsorientierten Begleitung jeden Tag vermitteln, dass nicht DAS Verhalten wichtig ist – sondern das SIE wichtig sind. Und das sie geliebt werden – egal ob sie glücklich sind, lachen, spielen, weinen, schreien, hauen, toben… Liebe ohne Bedingungen um freie, liebevolle Menschen zu BE-halten.

„Diesen Kreislauf können wir nur durchbrechen, in dem wir lieben.

Die, die wir in der Lage sind dazu.
Lieben ohne Punkt und Komma.
Liebe geben ohne Ende, der Welt und jedem einzelnen Menschen darauf.“

Olivia – freefamily.rocks

Erziehungsmethoden machen das kaputt, was jeder Mensch in sich trägt. Ur-vertrauen, bedingungslose Liebe und die Fähigkeit sich frei zu entfalten. Mehr denn je brauchen wir solche Menschen.

Ich habe für mich beschlossen NICHT mehr wegzusehen in Situationen in denen Menschen (oder auch Tiere) in Not geraten sind. Ich will nicht mehr stumm und leise leiden, mit denen die keine Liebe geben oder erhalten. Denn ich glaube, dass ist das was vielen Menschen fehlt. Egal ob sie Opfer oder Täter sind. Kein Mensch kommt auf die Welt und trägt ein Schläger-Gen in sich. Kein Mensch kommt auf die Welt und hat als Lebensziel, möglichst viele Menschen zu verletzten, Unfrieden zu streuen, Hass zu verbreiten.

Wir machen Menschen so. Indem wir keine Liebe geben wenn sie am dringendsten gebraucht wird. Indem wir bestrafen und nicht auf die Gefühle des anderen achten. Indem wir wegschauen, satt hinzusehen. Indem wir (auch uns selbst) verurteilen, Täter einsperren, Grenzen übertreten, Masken tragen.

Wir Menschen haben das Privileg uns zu entscheiden wer wir sein wollen. Wie wir handeln wollen. Was wir bewegen wollen. Und dazu zählt auch meine Haltung gegenüber DEN MENSCHEN im allgemeinen. Nicht nur mit Kindern Beziehungsorientiert zu leben, sondern auch mit meinem Partner. Wertschätzung nicht nur dann, wenn ich mit einem Thema konform gehe, sondern auch, wenn ich andere Ansichten habe. Begleite ich Menschen wirklich gleichwürdig wenn ich sie bestrafe? Sind sie in meinen Augen gleichwertig, auch wenn sie jünger oder körperlich schwächer sind?

Olivia vom Blog Freefamilyrocks hat zu dem oben genannten Artikel etwas geschrieben, dass ich sehr bewegend fand – unter anderem auch Impulse was man tun kann, wenn man Beobachter gewaltvoller Szenen wird – Gewalt gegen Kinder – was tun?

Es ist nicht leicht – es ist richtig schwer und anstrengend in mir selbst das Gute zu sehen und auch andere Menschen nicht auf ihr Verhalten zu reduzieren. Verhalten macht immer Sinn, für den der sich so verhält.

Ich werde nicht immer die gleiche Meinung teilen, oder alles gut finden. Ich will nicht rechtfertigen oder gar entschuldigen. Ich werde immer noch erschrocken sein, wenn Frauen geprügelt, Kinder misshandelt, alte Menschen erniedrigt und Tiere benutzt werden.

Eine Frage die ich mir jedoch stellen kann, bevor ich Gewalt mit Gewalt bekämpfen will:

Was ist diesem Menschen widerfahren, dass er handelt wie er handelt?

Vielleicht habe ich darauf keine Antwort. Ich kann nur vermuten. Und doch kann es ein erster Schritt sein, in diesem Menschen eine verletzte, gebrochene Seele zu sehen.

 

Meine erste Schritte zu einem Leben FÜR die Liebe und FÜR den Frieden gehe ich – kommst du mit?

Alles Liebe,

deine Maria

 

Gewalt führt zu Gewalt.

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