Ich husche schnell ins Bad, der Blick in den Spiegel kurz und wenig achtsam. Schnell das nötigste…Zähne putzen…duschen…rein in die Klamotten… Wie geht es dir heute? Siehst du gut aus? Gesund? Glücklich? Findest du dich heute schön? Wie fühlst du dich in deiner Haut? Fragen die ich mir selten stelle. Ist doch alles da was ich brauche. Selbstverständlich. Er – mein Körper – trägt mich schon durchs Leben, funktioniert doch einwandfrei. Bekommt das was er braucht…

Was bekommt er denn – mein Körper? Was braucht mein Körper? Bekommen die gezeichneten, vernarbten Stellen, von Operationen an meinen Körper Liebe und Zuwendung? Sehe ich meine Schwangerschaftsstreifen und denke liebevoll an die Zeiten der Schwangerschaften zurück, als nicht nur mein Herz in mir schlug? Oder finde ich sie hässlich und beachte sie nicht? Schätze ich ihn – jeden Tag, schenke ihm Aufmerksamkeit, erkenne seine bisherigen Leistungen an? Pflege und umsorge ich ihn, oder vergifte ich ihn mit krankmachendem Essen, Medikamenten oder Suchtmitteln?

Viele Gedanken geistern da seit ein paar Tagen durch meinen Kopf. Die Zeit scheint manchmal unendlich zu sein…das Altern ein Prozess der nicht wirklich wahrgenommen wird. Veränderungen bemerkt, aber vielleicht nicht beachtet werden.

Schon lange bin ich der Überzeugung das wir unseren Körper als viel zu selbstverständlich wahrnehmen. Zumindest noch die meisten von uns. Lassen sich von außen manipulieren, Meinungen infiltrieren. Der letzte Schrei – der schönste Schöhnheitswahn, davon wissen die meisten. Wird ja überall publiziert. Das unsere Gesellschaft aber immer kränker und müder wird, chronische Erkrankungen bald schon zur „Normalität“ gehören, darüber machen sich noch wenige Sorgen. Schauen weg und hören nicht zu, wenn es heißt das die Zahl der psychischen Erkrankungen, auch in jungen Jahren wenn wir rein biologisch betrachtet körperlich zu Höchstleistungen fähig sind, immer weiter steigt. Zumindest ist es mein Empfinden, mein Eindruck. Und vor ein paar Tagen ist mir dann dieser Trailer begegnet. Embrace. Von Nora Tschirner mitproduziert und der am 11.5 in ausgewählten Kinos zu sehen ist. Ich hatte Gänsehaut beim anschauen, denn er spricht Dinge an, die wir Frauen wohl alle kennen. Du bist schön – eine zentrale Aussage des Filmes. Wenn es eine Frage an dich wäre, wie würdest du sie für dich beantworten? Was hast du alles für deinen Körper schon unternommen, um gesellschaftlich als schön zu gelten? Natürlich sind es nicht nur Frauen die unter einer solchen Problematik leiden. Es gibt auch viele Männer, die sich unter Druck gesetzt fühlen, wenn ihnen nur Six-pack-bewaffnete-Öl-glänzende-männlich-gutbestückte-Körper entgegenstrahlen. Da kann man schon mal Komplexe kriegen. Ich bin der Meinung das Frauen UND Männer hier von einem Problem betroffen sind. Ja sogar schon Kinder gesellschaftliche Werte vermittelt bekommen, die zum Teil in meinen Augen gefährlich sind. Was wird ein Mädchen über ihren Körper denken, wenn sie immer nur size-zero in der Werbung sieht? Was wird sie von ihrer Mutter lernen, die sich selbst nicht annehmen & lieben kann? Was wird ein Junge lernen, der nicht groß genug scheint und gehänselt wird?

Wir müssen hier aktiv werden! Unbedingt! Nicht nur für uns selber, sondern auch für unsere Kinder, unseren Ehemann, beste Freundin, Mama, Schwester, Freund…ganz egal. Es ist nicht wichtig wie dein Körper proportioniert ist – es ist wichtig ob er gesund ist. Ob du dich vital, lebendig, glücklich und geliebt fühlst. Dann wirst du schön sein – Immer – davon bin ich überzeugt.

Unser Körper leistet unglaubliches für unser Leben. Wir sollten ihm jeden Tag danken. Ihn ehren. Ihm gesundes Essen zukommen lassen. Sauberes Trinkwasser. Wir sollten ihn natürlich und bewusst reinigen – innen, wie außen -, wir sollten ihn verwöhnen und uns etwas gutes tun. Ihn bewegen und ausruhen lassen. Wir sollten ihn fördern, aber nicht überfordern und seine Schmerzen ernst nehmen. Wir sollten unsere Haut streicheln, unseren Geist nähren und unsere Seele berühren lassen. Nach innen lauschen.

Und wir müssen lernen unseren Körper akzeptieren. Und den Körper des anderen. Wir plädieren für Individualität und führen uns und unseren Kindern gleichzeitig jeden Tag vor Augen, dass es eine Norm in unserer Gesellschaft gibt. Das fängt schon im vorgeburtlichen Bereich an. Wie viele Schwangere haben Sorge um ihr Baby, weil es nicht der Wachstumskurve entspricht? Oder die U-Untersuchungen… Natürlich haben all diese Untersuchungen auch ihre Vorteile und sind sinnvoll, um Krankheiten oder Entwicklungsverzögerungen früher zu erkennen und es kann früher reagiert werden. Was ich aber auch beobachte, ist die zunehmende Verunsicherung in vielen Bereichen des Lebens. Die meisten trauen sich einfach nicht mehr auf ihr Bauchgefühl zu hören. Immer mehr wird von außen vorgegeben und überwacht.

Ich war vor ein paar Tagen in der Körperwelten-Ausstellung von Gunter Hagen. Ihr kennt sie vielleicht. Und ich war beeindruckt von der Großartigkeit und Einzigartigkeit unseres Körpers. Ich war zutiefst berührt von dem Wunder des Lebens. Und ich wollte euch an diesen, meinen, Gedanken teilhaben lassen. Viel zu viel ist selbstverständlich, wird (unnatürlich) verzerrt und beeinflusst. Jede Entscheidung die unseren Körper betrifft, betrifft unser eigenes Leben. Welche Ernährung wähle ich, welche Pflegeprodukte verwende ich, welche ärztliche Behandlung, wie viel Stress mute ich mir zu, brauche ich dieses Schönheitsideal zum glücklich sein, lasse ich mir von außen Angst machen?… Ich will niemanden belehren, ich will auch nicht behaupten das alles verkehrt ist – oder alles schlecht. Und ich behaupte auch nicht, dass ich immer alles „richtig“ mache und mich immer liebevoll um meinen Körper kümmer. Aber wenn wir anfangen uns darüber bewusst Gedanken zu machen, besteht die Möglichkeit das wir auch anfangen etwas zu verändern. Vielleicht den bewussteren Blick in den Spiegel, oder die Ruhepause nach einem anstrengenden Tag.

Ich bin einfach der Meinung, dass wir mehr nach uns schauen sollten und nicht nach außen. Was nützt mir ein perfekter Körper, den ich mir nach einem 10 Std. Arbeitstag antrainiert habe, wenn ich innerlich ausgelaugt und erschöpft bin? Ich bin nicht gesund, nur weil ich schlank bin. Und ich bin auch nicht automatisch faul, wenn ich ein paar mehr Kilos auf den Hüften habe.

Unser Körper gibt unserer Seele ein Zuhause.

Er pumpt unaufhörlich Blut durch unsere Arterien und Venen, atmet damit wir Sauerstoff zur Verfügung haben. Leitet Nerven-Impulse mit einer unglaublich Geschwindigkeit weiter. Er lässt uns hören, sehen, fühlen, riechen, schmecken und Liebe empfinden. Er schenkt neuem Leben ein behütetes Zuhause zum wachsen und reifen. Er kompensiert, wenn etwas fehlt. Er lässt uns denken und handeln, sachlich und konstruktiv, manchmal auch impulsiv. Er trägt und bewegt uns – jeden einzelnen Tag.

ER hält uns am Leben und wir haben ihn für dieses EINE Leben geschenkt bekommen.

 

Alles Liebe,

deine Maria

Dein Körper – für EIN Leben

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