Grenzen der Kinder respektieren

Kennt ihr solche Sätze? Vielleicht aus eurer Kindheit? Oder vielleicht kommen solche Sätze auch jetzt im Alltag immer wieder vor?

Ich glaube das viele von uns ganz typische Sätze gehört haben. Wahrscheinlich vor allem dann, wenn die eigenen Eltern müde, überfordert oder erschöpft waren. So wie es eben mir schon das ein oder andere mal ging. Nicht nur als Tochter, sondern auch als Mutter… Vielleicht waren es nicht die Sätze wie hier aufgeführt, aber doch auch ähnlich. Das Gefühl das bei solch ausgesprochen Sätzen vermittelt wird, wird aber vermutlich überall ähnlich gewesen sein… Als Kind fühlte man sich übergangen, nicht wahrgenommen, allein, beschämt, man hatte vielleicht auch Angst, fühlte sich unter Druck gesetzt… Hier wurden ganz klar persönliche Grenzen überschritten.

In einer Beziehung zwischen Erwachsenen würden uns solche Sätze wie oben wohl nicht über die Lippen kommen. Oder habt ihr mit eurem Partner/Freund/Freundin/Schwester/Bruder schon mal so geredet?

Durch unsere eigene Erziehung und die Muster die tief in uns verankert sind, kennen wir aber oft keine Alternativen zu den „herkömmlichen“ Herangehensweisen im Alltag mit unseren Kindern. Gerade wenn bei uns eine Grenze erreicht ist. Und vielleicht machen wir uns manchmal auch zu wenig Gedanken, wie das Gesagte bei unseren Kindern ankommt und wie es wirkt. Kurzfristig betrachtet „helfen“ solche Sätze (sowie auch Drohungen und Strafen.) Unser Kind wird sich anpassen – denn es will mit uns Kooperieren. Es ist auf uns angewiesen und braucht unsere Liebe, Hilfe und Unterstützung. Je kleiner das Kind ist, desto anpassungsfähiger wird es sich vermutlich verhalten und akzeptieren das seine Grenze hier übertreten wird…

Ein Baby das zum einschlafen nicht begleitet wird und heftig protestiert, wird sich innerhalb kürzester Zeit das schreien zum einschlafen abgewöhnen, denn aus der Evolutionsbiologischen Perspektive betrachtet wäre es sonst ein „gefundenes Fressen“ für wilde Tiere.

Eine Dreijährige, die sich mitten in der Autonomiephase befindet, will vielleicht noch länger auf dem Spielplatz bleiben und die Eltern drohen ihr aber an ohne sie nach Hause zu gehen. Sie wird erst protestieren sich aber dann wahrscheinlich für das gewünschte Verhalten der Eltern entscheiden und die Entscheidungen der Eltern akzeptieren. Aus Angst, dass sie sonst allein gelassen wird. Denn sie ist auf ihre Bezugspersonen angewiesen. Sie kann sich kein Brot schmieren wenn sie Hunger hat und für sich selbst sorgen.

Was passiert aber wenn die Kinder selbständiger werden? Die Hilfe und Unterstützung ihrer Eltern immer weniger brauchen? Fügen sie sich dann immer noch oder gehen sie so schnell wie möglich ihre eigene Wege. Grenzen sich vielleicht sehr stark von den Eltern ab, werden „redefaul“, ignorieren alles? Oder rebellieren sie gegen ihre Eltern, überschreiten Grenzen und fordern „ständig“ Diskussionen und Streit…

Oder stellt euch vor, ein Kind durfte nicht lernen selbst zu bestimmen wann es satt ist. Oder das es über seinen Körper selbst bestimmen darf. Diesem Kind würden meiner Einschätzung nach wichtige Grunderfahrungen für eine gesunde Entwicklung eines gesunden Körpers und Geistes fehlen!

Wie sollen Kinder denn lernen (eigene) Grenzen zu erkennen und einzuhalten, wenn sie nichts anderes gelernt haben, als das ihre Grenzen nichts wert sind und der Stärkere das sagen hat?

Als Erwachsener kann ich zu einem anderen „Stop“ sagen, wenn es mir reicht. Wenn es mir zu viel, zu laut, zu verletzlich wird. Dann kann ich gehen… Susanne Mierau von Geborgen wachsen, hat darüber einen ganz wundervollen Artikel geschrieben, den ich euch gerne mit hier verlinken möchte…

Ausweglos – Wenn Eltern schimpfen und Kinder nicht weg können

Dabei ist es aber natürlich wichtig zu unterscheiden, ob es MAL vorkommt oder ob ein Kind solchen Situationen ständig ausgesetzt ist! Ich rede oft davon das niemand perfekt sein sollte und muss und wir alle schimpfen oder übertreten Grenzen. Das finde ich an und für sich nicht schlimm – auch wenn es für die Beteiligten natürlich keine schöne Situation in dem Moment darstellt.

Es kommt ja auch immer darauf an, wie ich mich auch danach verhalte oder sogar in der Situation, wenn das Kind mir mitteilt „Mama, mit mir schimpfen brauchst du jetzt aber auch nicht!“ Ich finde das ist ein wunderbares Zeichen. Mein Kind erkennt seine Grenze und hat das Vertrauen in unsere Beziehung mir das auch zu sagen. In einem Moment, indem ich (wahrscheinlich) mit zusammengekniffen Gesicht, funkelnden Augen, angespannter Körperhaltung, hoher und wütender Stimme vor ihm stehe. Er hat keine Angst mir zu sagen „Stop, es reicht“ Und ich habe keine Angst mir von ihm zeigen zu lassen, dass ich gerade zu weit gegangen bin.

Grenzen zu erkennen, anzunehmen und einzuhalten kann für uns alle eine große Bereicherung im Alltag sein. Das ist nicht immer einfach und wir können das manchmal auch nur lernen, indem wir auch unsere Grenzen übertreten bzw. selbst Grenzen bei anderen überschreiten. Wir müssen schließlich irgendwie merken, dass es jetzt zuviel des guten war… zuviel Fernsehen, zuviel Süßes, zuviel Trubel, zuviel Arbeit, zuviel Gemecker…

Und ich finde es enorm wichtig das auch unsere Kinder ihre eigenen Grenz-Erfahrungen machen.

Das sie „Nein“ sagen dürfen-
auf eine Bitte oder Wunsch, wenn sie keinen Kuss von anderen Menschen (auch den Eltern oder Geschwistern) haben möchten, wenn sie keinen Hunger haben oder das Essen nicht schmeckt, wenn sie jemand Fremdes nicht die Hand zur Begrüßung geben wollen, wenn sie ihr Spielzeug nicht teilen möchten, wenn sie noch nicht auf das Töpfchen/die Toilette gehen wollen, wenn sie ihre Jacke im Moment nicht anziehen wollen, wenn sie heute erst im Kindi frühstücken wollen…

Im Tagesablauf begegnen uns viele Dinge, in denen uns unsere Kinder (mal mehr mal weniger) Grenzen zeigen, uns hinterfragen oder Grenzen gezeigt bekommen wollen. Unser jüngster zum Beispiel sagt sehr laut „NEIN“ wenn er nichts hören und sehen will wenn er gerade wütend/enttäuscht oder traurig ist. Übergehen wir es, schreit er uns an. Ein ganz einfaches aber sehr klares Signal für mich bzw. uns, hier nicht weiter zu wühlen, sondern ihn in Ruhe zu lassen, bis er seine Gefühle sortieren konnte. Und dann kommt er von allein auf uns zu, wenn er bereit ist Nähe und Worte zuzulassen.

Ein wichtiger Gedanke den ich mir sozusagen hinter die Ohren geschrieben habe war: Würdest du so auch mit einem Erwachsenen reden? Würdest du wollen das jemand, der dir sehr nahe ist, so mit dir redet? Das hat mir schon oft geholfen auch mit meinen Kindern wertschätzend umzugehen und auch ihre Grenzen zu akzeptieren.

Kinder brauchen Erwachsene, die sie an die Hand nehmen, sie begleiten und ihnen immer wieder deutlich, wertschätzend, liebevoll und authentisch vor Augen führen „Ok, ich sehe das ist DEINE Grenze“ genauso wie „Nein, das ist MEINE Grenze – Bis hierhin und nicht weiter“

Alles Liebe,

deine Maria

„Bis hierhin und nicht weiter“ Warum „Nein“ sagen wichtig ist – 2

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