…ein für mich sehr wichtiger Beitrag von Lienhard Valentin. Er ist fast schon ein „Schlüsselsatz“ und hat mich durch viele Entwicklungen begleitet (und tut es immer noch!) Die Erkenntnis das, meine Kinder, meine nicht erfüllte Bedürfnisse – mein verletztes/einsames, inneres Kind in mir angestoßen haben, hat vieles ausgelöst. Hierbei war aber nicht nur die Achtsamkeitspraxis ausschlaggebend, sondern auch die Beschäftigung mit dem inneren Kind und die Gewaltfreie Kommunikation. Über diese Themen schreibe ich sicher noch ein anderes mal… Aber nun möchte ich dir gerne erzählen wie alles begonnen hat bzw. welche Artikel, Beiträge oder ähnliches bei mir innere Prozesse angestoßen haben. Vielleicht ist das ein oder andere auch für dich hilfreich.

Ich habe bereits erwähnt das ich vor 4 Jahren mit Yoga begonnen habe. Allerdings habe ich nicht richtig verstanden, worum es im Yoga geht. Das es zwar auch die körperliche Betätigung ist die mir gut tut, aber währenddessen auch noch etwas ganz anderes auf geistiger Ebene passiert. Ich war zwar entspannt während und nach der Yoga Stunde, aber so richtig verstanden Warum das so ist habe ich nicht. Somit konnte ich es nicht im Alltag umsetzen, sondern habe immer auf die nächste Yoga- Unterrichtseinheit gewartet um wieder Abstand vom Alltag zu bekommen… Das im Yoga viele Aspekte der Achtsamkeitspraxis enthalten sind, kam erst im laufe der Zeit…

Vor zwei Jahren gab es dann den ersten großen Aha-Moment bei einer Erklärung von Lienhard Valentin, der über Elterliches Verhalten und Achtsamkeit sprach, warum wir uns manchmal genau so verhalten wie wir es doch eigentlich niemals machen wollten. Ihr kennt bestimmt diese Sätze, bevor man Kinder hat – oder noch sehr kleine Kinder „So werde ich meine Kinder NIE erziehen.“ „Diesen Satz werde ich NIE zu meinem Kind sagen…“ *räusper* Ich persönlich hatte so einige Schreckmomente, als mir genau dieser Satz wieder um die Ohren geschleudert wurde, bei meinen eigenen Kindern und aus meinem Mund… danach kam dann das schlechte Gewissen, die eigene Kasteiung für mein schlechtes Verhalten und ich habe mich dadurch immer noch kleiner gemacht. Oder auch ein Klassiker in der „normalen“ Erziehung – ich entschuldigte mich bei meinen Kindern. Dann kam aber das „Aber, wenn du so wütend zu mir wirst, werde ich wütend…“. Ich übernahm also oft keine Verantwortung für mein Handeln, sondern übertrug diese meinem Kind. Ich kann heute nur den Kopf darüber schütteln, aber…was vergangen ist, ist vergangen und ich habe heute jeden Tag die Chance es „besser“ zu machen 😉

Zurück aber zu der Erklärung. Er sprach von einem Bus voller Menschen in meinem Kopf. Da sind meine Eltern, meine Geschwister, mein verletztes inneres Kind, mein einsames inneres Kind, mein innerer Kritiker usw. Und je nach Tagesform übernimmt manchmal ein anderer das Steuer. Wenn es mir gut geht, halte ich selbst das Steuer in den Händen und wenn es Tage gibt, an denen es mir schlechter geht (Müdigkeit, Krankheit) eben ein anderer. Diese Erkenntnis hat mich einiges über mich erfahren lassen. Und ich wollte dann wissen wie ich das Steuer behalten kann. Damit ich in meiner Mitte bleibe, meinen Kindern und meinem Mann gegenüber, mit meinen WERTvollen-Grundhaltungen auch in schwierigeren Momenten begegnen kann. Und somit habe ich zuerst angefangen mich theoretisch über die Achtsamkeitspraxis zu informieren. Geholfen hat mir dabei natürlich erstmal das Buch „Die Kunst gelassen zu erziehen von Lienhard Valentin & Petra Kunze“, dass ich ja sogar beim Beziehungs – statt Erziehungskongress gewann 🙂 Hier sind einige wunderbare Übungen enthalten und auch eine CD mit geführten Übungen, die ich sehr hilfreich fand, um die Achtsamkeitspraxis Stück für Stück kennen zulernen.

Als kleines Beispiel: Versuche ein Stück Schokolade, ein Kürbiskern oder ähnliches so zu betrachten als wäre es das aller erste mal. Du kennst es nicht und beginnst es mit allen Sinnen zu erforschen und zu genießen. Für ein paar Minuten versuchst du den Alltag drumherum auszublenden und dich nur auf diese eine, kleine Sache zu fokussieren. Probiere es mal aus 🙂

Am Anfang war das gar nicht so einfach. Ich bemerkte erstmal mit wie vielen Dingen ich mich ansonsten noch nebenher beschäftige. Je öfter ich mich dann auf „kleine“ Dinge versuchte zu fokussieren, desto besser konnte ich mich darauf einlassen.

Daneben habe ich mich im Internet belesen. Eine tolle Seite, die ich empfehlen möchte ist diese hier: Deutsches Fachzentrum für Achtsamkeit und natürlich half mir auch Youtube 😉 Es gibt ein tolles Interview mit Jon Kabat-Zinn, indem er über das neue Glück spricht.

 

Hinzu kamen dann auch regelmäßige Meditationen. Am Anfang hatte ich aber wirklich damit zu tun. Kämpfte gegen meine Gedanken an, versuchte sie zu unterdrücken. Und ich zweifelte manches mal an mir selber. Eine Sache ist eine geführte Meditation zu machen und sich berieseln zu lassen – aber völlig in Stille, einfach mal dasitzen? Die Gedanken kommen und gehen zu lassen, meinen Körper Stück für Stück zu scannen und meinen Atem beobachten? Das Hier und Jetzt genießen? NO Way dachte ich. Kann ich nicht. Ich habe ja bereits in meinem ersten Artikel darüber geschrieben, welchen Druck ich innerlich dabei verspürt habe. Dabei bin ich schon immer ein Mensch, der in sich ruhen kann. Gelassen und entspannt ist, sich gerne zurück zieht um ein Buch zu lesen oder die Gedanken schweifen lässt. Bis mir aufgefallen ist, dass ich das alles nicht absichtlich tue – also keine Absicht dahinter verspürte „ich tue das jetzt um Ruhe zu genießen“. Ich tat es ungezwungen, weil es mir einfach gut tat… Aber eben sehr unregelmäßig und auch zu selten. Als ich diesen Gedanken für mich feststellte und ich verinnerlicht hatte, dass ich das tun möchte um MIR Ruhe und Kraft zu schenken. Um MICH wert-zuschätzen. MIR etwas gutes zu tun , hat mir sehr geholfen los zulassen. Ich schenke mir selbst Aufmerksamkeit und Liebe. Ein wunderbares Gefühl. Und dieses Gefühl gebe ich auch an meine Kinder oder meinen Mann weiter.

In mich gehen, meinen Körper zu scannen hat mir nebenbei auch Bewusstheit geschenkt. Nicht nur körperlich, also Verspannungen oder ähnliches aufzuspüren, sondern auch in unbewussteren geistigen/emotionalen Bereichen. Ich habe oft Schwierigkeiten damit, meine Bedürfnisse wirklich klar zu erkennen und dann auch noch zu formulieren. Ich habe es nicht richtig gelernt, bzw. wurden sie übergangen und ich habe sie in die „nicht-wichtig-Schublade“ geschoben. Als unser großer in die Autonomiephase (vielen eher als Trotzphase bekannt 😉 ) kam und er alleine entdecken wollte und eben auch mal Dinge machte die ich nicht gut fand, oder zu gefährlich, habe ich mich immer wieder gefragt warum ich so schnell so gereizt reagiere. Wie kann ein Kleinkind dich so in Rage bringen, durch sein weinen, toben, schimpfen? Heute weiß ich, dass ich in solchen Momenten

  1. Bedürfnisse hatte, die einfach nicht erfüllt waren und ich dementsprechend schnell gereizt und wütend wurde. (Anm.: dieses ist auch in der Gewaltfreien Kommunikation ein ganz wesentlicher Bestandteil – Bedürfnisse erkennen und erfüllen) und –
  2.  das Verhalten Emotionen auslöste, die ich in der Kindheit nicht leben konnte/durfte und nun zum Ausbruch kamen (das innere Kind berührten). 

Und da ich nicht im Gleichgewicht auf meinem Surfbrett stand, verlor ich den Halt. Der Bodyscann ermöglicht mir hier ein rechtzeitiges erkennen von Verspannungen und Gefühlen. Wenn ich es dann schaffe darauf einzugehen, es aufzulösen oder mir dann etwas gutes zu tun, bin ich gelassener. Das funktioniert nicht jeden Tag gleich gut. Gestern erst war wieder ein Tag, an dem ich bis nachmittags mit meinem Ungleichgewicht umhergelaufen bin. Schnell genervt und gereizt war. Nachmittags habe ich mir dann endlich die Zeit genommen, kurz inne zuhalten und alleine das feststellen meines „Problems“ war für mich schon hilfreich, den restlichen Tag über gelassener zu sein.

Seitdem ich meditiere lebe ich viel mehr im Hier und Jetzt. Ich genieße mehr. Fokussiere mich besser auf die wirklich wichtigen Dinge. Stelle fest wie kostbar mein Leben für mich ist. Bin Dankbar. Ich erlebe mehr Leichtigkeit im Alltag. Ich belaste mich nicht mehr mit so vielen Dingen die ich nicht ändern kann, sondern versuche das beste aus der Situation zu machen. Ich schaue nach innen und fange da mit der Veränderung an. Ich verspüre eine tiefe Zufriedenheit, Kreativität und Liebe. Und das nicht nur in ganz bewussten Meditationssitzungen (die ich zur Zeit gar nicht mehr regelmäßig mache), sondern generell im Alltag. Am Anfang war die Regelmäßigkeit wichtig, um Übung zu bekommen. Je mehr Verständnis ich aber entwickelt habe, desto leichter fiel es mir ganz natürlich Achtsamkeit zu praktizieren. Es einfließen zu lassen. Den Alltag damit zu verbinden.

Ich möchte dir hier nochmal die 21 Tage Meditationschallenge von Andrej verlinken, weil ich davon überzeugt bin, dass sie etwas verändert. Unser Gehirn braucht übrigens 21 Tage um eine Veränderung dauerhaft zu festigen. Andrej hat mir dabei geholfen, die Meditation nach und nach zu vertiefen und er liefert wichtige Informationen und Inspirationen, die hilfreich sind Gedankenprozesse anzukurbeln.

Meditation kann überall stattfinden. Beim Krafttraining, beim musizieren, beim malen, beim duschen, aufm Klo…oder sonstwo. Es ist nichts anderes als sich bewusst in der Gegenwart zu befinden. Übrigens ein tolles Buch, wenn auch nicht eben nebenher zu lesen, ist „Eckard Tolle – Jetzt“ :

„Nichts ist je in der Vergangenheit geschehen, es geschah im Jetzt; Nichts wird je in der Zukunft geschehen, es wird im Jetzt geschehen; Was du mit Vergangenheit bezeichnest ist eine in deinem Verstand aufbewahrte Erinnerung an ein früheres Jetzt… Die Zukunft ist eine Vorstellung vom Jetzt… Wenn die Zukunft eintrifft, trifft sie als Jetzt ein. Wenn du darüber nachdenkst, dann tust du das Jetzt.“

Ich fand das bewusste Zeit nehmen am Anfang sehr hilfreich – weil ich es vorher nicht gelernt habe. Bewusstes für mich da sein und einfach mal nur atmen. Und falls du jetzt wissen möchtest, ob ich eine spezielle Routine entwickelt habe , ich zu einem bestimmten Zeitpunkt meditiere, muss ich verneinen 🙂 Auch so ein positiver Nebeneffekt für mich – Ich handle nach meinen Bauchgefühl – das durch die Achtsamkeitspraxis immer stärker spürbar wurde. Und ich entscheide dann spontan was ich morgens für mich tun möchte… Meditieren? Yoga? in Ruhe duschen? Lesen? Kaffee trinken und Social-Media-Kanäle checken? Arbeiten? Alles kann, nichts muss. Jeder Tag ist unterschiedlich und mein Prozess der Entwicklung findet jeden Tag statt, ich darf es so annehmen – auch wenn es manchmal schwer fällt und mir dann den, für mich richtigen, Umgang damit raussuchen. Dafür stehe ich auch gerne früher auf (das einzige was ich jeden Tag gleich mache). Ich mag es, wenn morgens noch alles so friedlich und ruhig ist. Diese Ruhe überträgt sich auf mich und ich kann sie (meistens) mit in den lauten Alltag nehmen.

Zum Schluss möchte ich nur noch eins loswerden: Vieles in den Artikeln spiegelt meine eigene Meinung oder Erfahrung – es kann für dich ganz anders sein. Ich denke, dass es uns und unserer Umwelt gut tut sich auf den Weg zu machen. Es werden durch die Achtsamkeitspraxis so viele Dinge berührt – wie wir über unterschiedliche Dinge denken, mit was wir uns umgeben, was wir zu uns nehmen, wie wir miteinander umgehen… Für mich ist es mittlerweile sehr komplex & vielfältig. Ich bin gespannt wohin mein Weg mich führt 🙂

Ich hoffe die kleine Serie der Achtsamkeit hat dir gefallen? Vielleicht hast du für dich das ein oder andere mitnehmen können? Ich würde mich freuen, wenn du mir ein kleines Feedback dazu geben magst. Oder hast du Ideen/Wünsche die ich für dich umsetzen soll? Hinterlasse mir einen Kommentar, oder schreibe mir hier.

 

Alles Liebe

deine Maria

Achtsam mit mir und dir? Teil 4 – meine persönliche Entwicklung

2 Gedanken zu „Achtsam mit mir und dir? Teil 4 – meine persönliche Entwicklung

  • 29. April 2017 um 18:25
    Permalink

    Hallo Maria,

    Ein sehr schöner Artikel. Und ich habe noch während des Lesens gemerkt, wie ich mich tatsächlich plötzlich nur auf deine Worte konzentrieren konnte und nicht zum 3. Mal hintereinander nur kurz nebenher mein Handy nach neuen Nachrichten gecheckt. 🙂
    Ich bin auch der Meinung, dass die Achtsamkeit mit sich selbst und mit anderen der Schlüssel zu einem unglaublichen Reichtum ist.

    Man sollte sich viel öfters diese kleinen Ruheinseln im Alltag gönnen.
    Und du hast mich gerade Mal wieder dazu inspiriert. Danke.

    LG,
    Miri

    Antworten
    • 30. April 2017 um 15:02
      Permalink

      Hallo liebe Miri. Ich freue mich sehr über deinen Kommentar und es macht mich richtig glücklich, dass ich dich inspirieren konnte ♥ 🙂 Herzliche
      Grüße, Maria

      Antworten

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